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Cost Engineering, das Titelthema beim Kongress 2013

Die Renaissance des Cost Engineering

Um heute im Wettbewerb erfolgreich bestehen zu können, bildet die kundenorientierte Gestaltung von Produkten und Services die Grundvoraussetzung. Zielsetzung ist die Erfüllung der Kundenanforderungen in den Zieldimensionen Funktionalität und Qualität zu Kosten, die innerhalb der Zahlungsbereitschaft der Kunden liegen. Dieser Herausforderung begegnen Unternehmen seit jeher. Allerdings führt das heutige Unternehmensumfeld zu einer Renaissance des Cost Engineering. Cost Engineering stellt einen ganzheitlichen Ansatz zur Realisierung von Kundenwert bei gleichzeitiger Kostenoptimierung dar. Konkret geht es um die Sicherstellung wettbewerbsfähiger Preise von Produkten und Services zu kosten-, zeit- und qualitätsoptimalen Prozessergebnissen.

Cost Engineering: Kundenzufriedenheit vs. Kostenoptimierung

Durch eine verstärkte Vernetzung der Kunden wird die Herausforderung des Cost Engineering aktueller denn je. Eine Abweichung von den Kundenanforderungen hat für die Unternehmen zwei mögliche Auswirkungen. Erstens, die Unternehmen erfüllen die Anforderungen an Qualität sowie Funktionalität nicht im ausreichenden Maße und verlieren daher Kunden oder zweitens, es werden Produkte entwickelt, die über die Anforderungen hinausgehen und daher schlicht zu teuer sind. Für die deutschen Unternehmen werden Cost-Engineering-Ansätze benötigt, um die Wettbewerbsposition gegenüber der Konkurrenz sicherzustellen. Die Kostenpotenziale bei Personalkosten sind weitgehend ausgeschöpft. Prozesse und insbesondere Produkte bieten hier den Stellhebel zum Erlangen einer wettbewerbsfähigen Kostenposition. Aufgrund der Faktorkostenunterschiede zu aufstrebenden Nationen ist jedoch Kostenführerschaft allein keine zielführende Positionierung für deutsche Unternehmen. Die strategische Kostenführerschaft, die auf maximalen Kundennutzen bei vorgegebenen Zielkosten abzielt, erweist sich für deutsche Unternehmen als vielversprechende Zielgröße. Dafür ist die herausragende Qualität sowie ein hoher Technologie- und Innovationsgehalt der Produkte erforderlich. Diese Wettbewerbsposition zu erlangen und zu halten erfordert jedoch die genaue Kenntnis der Kundenanforderung und die Fähigkeit diese in marktgerechte Produktlösungen zu angemessenen Kosten umzusetzen.

Lokalisierung von Produkten durch Cost Engineering

Da es Weltprodukte nicht gibt, müssen globale Unternehmen in den einzelnen Märkten die unterschiedlichsten Kundenanforderungen individuell erfüllen. Der Divergenz der Kundenanforderung steht jedoch eine Konvergenz der Erwartungshaltung an die Qualität gegenüber. Kunden deutscher Unternehmen messen diese global an dem Qualitätsversprechen der Marke und dem „German Engineering“-Anspruch. Abweichungen werden bei den Premiumprodukten deutscher Hersteller nicht toleriert und über das Internet in Echtzeit kommuniziert. Multinationale Konzerne stehen somit vor der Herausforderung, dass Qualitätsprobleme kostenorientierter Produktlösungen in Schwellenländern auf den Ruf der Premiumprodukte in Industrienationen abfärben.

Die Unternehmen stehen zudem bei ihrer Produkt- und Kostenplanung vor der Herausforderung, dass einhergehend mit der Globalisierung des Absatzes auch die Wertschöpfung zunehmend in die Zielmärkte verlagert wird. Aufstrebende Nationen wollen teilhaben an dem Erfolg globaler Unternehmensaktivitäten. Dies führt jedoch dazu, dass Produkte in verschiedenen Ländern bei unterschiedlichen Löhnen, Zöllen, Währungen und Qualifikationsniveaus der Mitarbeiter gefertigt werden. Die Unternehmen sind dabei auf Methoden der Kostenplanung angewiesen, die sie dabei unterstützen den Zielkonflikt der Internationalisierung zwischen Standardisierung zur Erlangung von Skalen- und Lerneffekten einerseits sowie Individualisierung zur Adaption von Produkten und Prozessen an lokale Erfordernisse andererseits zu überwinden. Diese Aufgabe wird aufgrund der volatilen Rahmenbedingungen erschwert. Lohnrunden in Schwellenländern von bis zu 30 Prozent, Währungskurs- und Rohstoffpreisentwicklungen sowie regulatorische Hürden durch Zölle sind nur einige der ungewissen Einflussfaktoren auf die globalen Produktkosten, welche die Prognosegenauigkeit der Kostenplanung reduzieren. Um den Einfluss dieser Auswirkungen zu minimieren, sind Unternehmen heute mehr denn je gefordert holistische Kostenmanagementansätze bereits in den frühen Phasen der Produktgestaltung zu nutzen. Diese Genauigkeit wird heute auch entlang des Produktlebenszyklus gefordert.

Fazit

All diese Herausforderungen zwingen die Unternehmen, den Ansatz des Cost Engineering von der Ermittlung der Kundenanforderungen über die Zielkostenfindung bis zur Zielkostenerreichung zu überdenken. Für die Unternehmen stellt sich die Frage, ob bestehende Ansätze in dem heutigen Umfeld nach wie vor einsatzfähig sind.